adewanne
Sofort hydraulisch in sein Zimmer befördert, empfand er das
Bedürfnis eines Bades und suchte nach der Glocke für den Kellner. Allein er
fand an der Hauptwand in einer Reihe eine Unzahl von Knöpfen und eine Menge
von Hähnen, deren Bezeichnung mit Buchstaben ihm nicht augenblicklich klar ward.
Zur Probe drückte er einen mit B.W. bezeichneten Knopf und sofort öffnete sich
die Wand und eine Badewanne schob sich geräuschlos ins Zimmer. Froh, daß er
es gleich so richtig getroffen hatte, untersuchte er eine Reihe von Hähnen,
die jetzt gerade über der Badewanne lagen, und fand zwei, die mit W.W. und mit
K.W. bezeichnet waren. Haha: »Warmes Wasser« und »Kaltes Wasser«, sagte er sich,
das ist einfach. Kaum aber hatte er beide Hähne geöffnet, als draußen eine laute
Musik losging und zugleich ein heller Schein ins Zimmer fiel. Neugierig lief
er hin, öffnete das Fenster und sah nun, daß draußen eine große Prozession,
wahrscheinlich ein elektrischer Fackelzug, vorüberzog. Voran auf einem Wagen,
jedenfalls auch elektrisch betrieben, denn Pferde waren nicht davorgespannt,
fuhr ein großes Orchestrion, das eine Musik vollführte, gegen die die schlimmsten
Stellen der Wagnerschen Opern wie sanftes Gesäusel erschienen, so wenig hat
dieser große Mann noch von wirklicher Zukunftsmusik geahnt. Hinterher fuhren
auf den bekannten kleinen Wägelchen einige hundert Leute mit elektrischen Lichtern.
Dieses nie gesehene Schauspiel zog Nothnagel so an, daß er ganz seine Badewanne
vergaß, und als er zu ihr zurückkehrte, war sie bereits bis zum Rand gefüllt.
Er stellte die Hähne ab, prüfte mit der Hand das Wasser und fand es recht kalt.
Zugleich aber bemerkte er auch, daß das ganze Zimmer mit einem starken Weindunst
erfüllt war. Er leckte prüfend seine Finger ab und siehe, es war lauter Wein
in der Wanne, denn die Buchstaben der Hähne bedeuteten Weißwein und Kapwein.
Er hätte entweder W. B. oder K. B. öffnen müssen, »Warmes Bad« oder »Kaltes
Bad«. Was sollte er nun mit dieser ungeheuren Bowle anfangen? Er probierte die
Mischung und fand sie nicht übel. Bezahlen mußte er diesen unendlichen Wein
nun doch auf jeden Fall, denn er bemerkte, daß hinter jedem Hahn in der Wand
ein mit starker Glasplatte bedecktes Meßinstrument angebracht war. Der Zeiger
dieses zeigte für Weißwein 648 Liter und für Kapwein 493 Liter. Rechnet man
das Liter auch nur zu zwei Mark, so ergab dies 648 + 493 x 2 = 2282 Mark — ihn
schauderte. Er holte schnell ein Literglas herbei, das er auf dem Tische fand,
denn er wollte wenigstens etwas von dieser Sache haben. Aber schon bei dem dritten
Liter fand er, daß er es mit einem kräftigen Gegner zu tun hatte. Er fühlte
das Feuer des Südens und die Kraft des Nordens in seinen Adern und aus beidem
erwuchs der Drang zu ungewöhnlichen Taten. Um diesen zunächst in etwas zu befriedigen,
drückte er an alle Knöpfe, die so reichlich in dem Zimmer vorhanden waren. Dieses
hatte aber ungeahnte Folgen, denn die Hotels des Jahres 1984 waren so eingerichtet,
daß man von jedem Zimmer aus die Feuerwehr, die Polizei, den Arzt, den Barbier
und wer weiß was sonst noch durch einen einfachen Fingerdruck herbeizurufen
vermochte. So geschah es denn, daß in kurzer Zeit ein furchtbarer Aufruhr in
und vor dem Hotel entstand, denn er hatte, ohne es zu wissen, der Feuerwehr
das Signal »Großfeuer«, der Polizei die Nachricht »Überfall durch Räuber«, dem
Arzte »Akute Vergiftung«, der Hebamme »Zwillinge in Sicht« und dergleichen mehr
gegeben, so daß in kurzer Zeit sein Zimmer von Leuten wimmelte, die weiter nichts
fanden, als einen betrunkenen Herrn mit einem Literglas in der Hand, der sie
aufforderte, mit ihm eine Badewanne voll Bowle auf das Wohl des 20. Jahrhunderts
zu leeren. - Heinrich Seidel, Im Jahre 1984. Frankfurt
am Main 1985 (Polaris 9. Ein Science Fiction Almanach. Hg. Franz Rottensteiner.
st 1168. - Zuerst 1895)
Badewanne (3) Neptun verbrachte manchmal den ganzen
Morgen in einer überlaufenden Badewanne. Abgesehen davon, daß es ein erschreckender
Anblick war - besonders der auf dem Wasser treibende Bart
-, schwamm auch die ganze Umgebung. Es wurde noch schlimmer, als der Gott
darauf bestand, die Goldfische mit in die Wanne zu nehmen. Diese kindliche
Laune war schuld daran, daß Venus auf einem verirrten Goldfisch ausrutschte
und sich erst wieder beruhigte, als praktisch das gesamte männliche Hotelpersonal
- ausgenommen vielleicht der Direktor — den blauen Fleck zärtlich massiert
hatte. Als Neptun sich nicht mehr mit Goldfischen begnügte und verkündete,
ein paar große Aale würden sein morgendliches Bad
erfreulich beleben, erkundigte sich Hawk bitter, ob er nicht lieber in
Muschelsuppe oder Austernsauce zu baden gedenke. Als Neptun begeistert
zustimmte, machte der Wissenschaftler auf dem
Absatz kehrt und ließ den Gott allein fröhlich weiterplanschen.
- (goetter)
Badewanne (3) Sie fuhr in einer Postkutsche nach Paris, wo sie ein Küchenmesser mit einer 20 cm langen Klinge erstand. Sie hatte eigentlich geplant, ihn am 14. Juli, dem Jahrestag des Sturms auf die Bastille, in der Öffentlichkeit zu erstechen. Doch Marat war wegen seines quälenden Hautleidens (Skrofulose) an die Badewanne gefesselt. Unter dem Vorwand, dass sie einige Girondisten aus ihrer Heimatstadt Caen, einer Hochburg der Konterrevolution, denunzieren wolle, suchte sie Marat am 13. Juli 1793 auf, erhielt jedoch keinen Einlass bei Simone Evrard, Marats Lebensgefährtin. Sie fuhr zurück in ihr Hotel, kündigte ihren Besuch schriftlich an und fuhr noch am selben Tag zurück zu Marats Wohnung, ohne Antwort erhalten zu haben.
Im Badezimmer stach sie ihm nach einem kurzen Gespräch heftig in Hals/Brust,
in der Nähe des Schlüsselbeins also, wobei sie so stark zustieß, dass die Aorta
ebenfalls zerissen wurde und Marat so gut wie sofort tot war. - wikipedia
Badewanne (4)

Badewanne (5)

- Domenico Gnoli, nach: Wieland Schmied, Zweihundert Jahre
phantastische Malerei. München 1980
Badewanne (6)
Schwarzer Schatten

Hilflos ausgeliefert ist Cindy (Jean Peters) der Gewalt des Beauftragten
einer Rauschgifthändler-Bande, die verzweifelt nach einem Rauschgift-Rezept
sucht, das ihrem Verbindungs-Girl von einem gerissenen Taschendieb {Richard
Widmark) aus der Handtasche gestohlen wurde. Ein dramatisches, auch menschlich
ergreifendes Geschehen, das der 20th Century-Fox-Film „Polizei greift ein"
schildert. - Steglitzer Anzeiger vom 6. Februar 1954
Badewanne (7) In König Tsching-Tschangs
Wanne eingekerbt waren die Worte:
Tag um Tag erneuere
dich ganz, und so tust du immer und immer wieder. - Chinesische Weisheit,
nach:
Bohumil Hrabal, Leben ohne Smoking. Frankfurt
am Main 1993 (BS 1124, zuerst 1986)
Badewanne (8)

Badewanne (9) Ein riesenhafter Kakerlak, wahrhaftig gute zwölf Zentimeter lang, schwamm in Mr. Kellermans Badewanne, in der ein paar Zentimeter Wasser standen.
»Meine Güte!« sagte Mr. Clark. Der Kopf des Kakerlaken zeigte in Mr. Clarks Richtung, und wiewohl er sich nicht regte, war er doch nicht tot, das sah Clark, denn die langen biegsamen Antennen bewegten sich langsam hm und her. Jetzt bewegte er ein paar seiner sechs Beine und drehte sich ein wenig, wobei Mr. Clark unwillkürlich an einen dicken Menschen denken mußte, der sich im Swimmingpool auf dem Wasser treiben ließ.
»Was sagen Sie dazu?« fragte Mr. Kellerman. »Ich wollte gerade ein Bad nehmen. Diese Halunken von Pest-Ex!« Er packte eine Toilettenbürste und schlug mit der Rückseite nach dem Kakerlaken.
Wasser spritzte, und Mr. Clark wich einen Schritt zurück.
Der Schlag machte das braune Insekt munter; es schwamm ans Kopfende der Wanne
und kletterte mit Riesenschritten die emaillierte Schräge hinauf, hielt oben
auf dem Rand inne und drehte sich den beiden Männern zu. - Patricia
Highsmith, Geschichten von natürlichen und unnatürlichen Katastrophen. Zürich
1990
Badewanne (10)
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Badewannen Was für liebliche klare Objekte doch heroischen Schwung rundum gußeiserner Typische Immobilien (wann hätte jemals wieder von neuem gefüllt, aller Dreck durch dieses enge Abflußloch stummeligen Beinen, Warmwasserbetten in sovielen Wohnungen etwas wie eine Oase |
- Durs Grünbein, Von der üblen Seite. Gedichte 1985 - 1991.
Frankfurt am Main 1995
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