eileid    Was Lukes Ableben betrifft, so bekümmerte es mich nicht im geringsten. Im Gegenteil: jetzt konnte ich seiner Schwester Lottie, der ich schon immer einen verpassen wollte, was ich aber aus dem einen oder anderen Grund nie konnte, einen Besuch abstatten. Ich sah mich bereits gegen Mittag zu ihr hingehen, um ihr mein Beileid auszusprechen. Ihr Mann.würde im Büro sein, und nichts würde mich stören. Ich sah mich schon die Arme um sie legen und sie trösten; es geht nichts darüber, eine Frau zu nehmen, die trauert. Ich sah, wie sie die Augen weit öffnete - sie hatte schöne, große graue Augen —, während ich sie zum Sofa hinschob. Sie gehörte zu der Sorte Frauen, die sich von einem ficken lassen, während sie so tun, als sprächen sie über Musik oder etwas Ähnliches. Sie konnte die blanke Wirklichkeit, sozusagen die nackten Tatsachen, nicht leiden. Was sie aber nicht hinderte, geistesgegenwärtig ein Handtuch unter sich zu schieben, damit keine Flecken aufs Sofa kämen. Ich kannte sie durch und durch. Ich wußte, daß jetzt die beste Zeit war, sie rumzukriegen, wo sie sich in ein leichtes Erregungsfieber über ihren armen toten Luke hineinsteigerte, von dem sie, nebenbei bemerkt, nicht viel gehalten hatte.  - Henry Miller, Wendekreis des Steinbocks, Reinbek bei Hamburg  1972 (zuerst 1939)

Beileid (2)   «Läuft denn dort nicht Greenbaum, dessen Vater wurde gestern beerdigt! Kommt, gehen wir zufällig über die Straße und wünschen ihm, lange zu leben!»

«Greenbaum gestorben! War das der Greenbaum von der Börse, der es so wüst mit den Weibern getrieben hat?»

«Der nämliche», versetzte Jankele. Und dann, da sie sich dem Sohn näherten: «Gut Sabbat, Mr. Greenbaum! Möget Ihr lange leben! Welcher Schlag für die Gemeinde!»

«Euer Mitgefühl tut mir wohl», erwiderte der Sohn mit tränenvoller Stimme.

«Ach ja!» seufzte Jankele gepreßt. «Euer Vater ist gewesen ein guter Mann, ein großer Mann - genau meine Größe.»

«Die Kleider habe ich schon dem Glaser Baruch gegeben», sagte der junge Greenbaum. - Israel Zangwill, Der König der Schnorrer. München 1994 (zuerst 1894)

Beileid (3) Meine teure Mutter!  Verkennen Sie mich nicht, wenn ich über den Verlust unserer nun seligen Großmutter mehr die notwendige Fassung als das Leid ausdrücke, das die Liebe in unsern Herzen fühlt. Ich finde, daß man ohne festen Sinn nicht wohl auskommt, ich will der Ratgeber nicht sein für die Meinigen, aber ich meines Orts muß mein so lange nun geprüftes Gemüt bewahren und halten, und die zärtlichen, guten Worte, die, wie Sie wissen, mir zu leicht vom Munde gehen, ich muß sie sparen für jetzt, ich darf nicht Sie und mich noch mehr dadurch bewegen. Das neue, reine Leben, das, wie ich glaube, die Gestorbenen nach dem Tode leben und das der Lohn ist auch für die, die, wie unsere teure Großmutter, ihr Leben lebten in heiliger Einfalt, diese Jugend des Himmels, die nun ihr Anteil ist, nach der so lange ihre Seele sich sehnte, diese Ruhe und Freude nach dem Leiden, wird auch Euer Lohn sein, teure Mutter, teure Schwester; für meinen Bruder und mich ist wohl auch ein edler Tod, ein sicherer Fortgang vom Leben ins Leben aufbehalten, so wie ich glaube, allen den Unsrigen.  - Hölderlin an seine Mutter, Karfreitag, 16. April 1802
 
 

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