, der edelste, ursprünglichste aller laute, aus brust und kehle voll erschallend, den das kind zuerst und am leichtesten hervor bringen lernt, den mit recht die alphabete der meisten sprachen an ihre spitze stellen. - Grimmsches Wörterbuch

A (2)  Schriftzeichen oder Schriftbild des ersten Buchstabens im Alphabet der lateinischen, der französischen & nahezu aller Sprachen Europas.

Man kann dieses Schriftzeichen als Buchstaben oder als Wort betrachten.

Als Buchstabe ist A das Zeichen des Lauts a, der von allen Lauten der Sprache am leichtesten auszusprechen ist. Es genügt, den Mund zu öffnen & dabei die Luft aus den Lungen zu pusten.

Angeblich kommt das a vom aleph der Hebräer, doch als Laut hat das a seinen Ursprung allein in der Anlage der Stimmorgane; & für die Darstellung des Lauts in einem Schriftzeichen oder Schriftbild haben wir das alpha der Griechen übernommen. Die Römer & andere Völker Europas hielten sich bei der Gestalt des Buchstabens an das Vorbild der Griechen. Folgt man den hebräischen Grammatiken & der Grammaire générale de Port-royal, »bedient man sich des aleph (heute) lediglich in der Schrift & es hat keinen anderen Klang als den des Vokals, der für das aleph steht«. Daran wird ersichtlich, daß die Aussprache der Buchstaben in den toten wie in den lebendigen Sprachen variieren kann. Denn nach M. Masclef & P. Houbigan wurde das aleph früher durchgängig wie unser a ausgesprochen; als maßgeblichen Beleg führen sie eine Passage aus Eusebios Evangelischer Vorbereitung an, in welcher dieser Kirchenvater betont, daß die Griechen ihre Buchstaben von den Hebräern übernommen hätten: »Dies kann jeder aus den griechischen Namen der einzelnen Elemente des Alphabets erkennen. Denn was unterscheidet schon groß das Aleph vom Alpha? Oder das Beta vom Beth?«

Die Behauptung einiger Autoren wie Covarrubias, ein Junge, der gerade zur Welt gekommen sei, stoße als ersten Laut ein A aus, welches der erste Vokal von maskulin ist, während ein Mädchen den Laut e, den ersten Vokal von feminin, hervorbringe, entbehrt jeder Grundlage. Wenn sich Kinder nach der Geburt zum ersten Mal Luft machen, hört man den Klang verschiedener Vokale, je nachdem, wie weit sie den Mund aufreißen.

Die Römer nannten das A den »erlösenden Buchstaben«, littera salutaris, (Cicero, Akademische Bücher), weil die Richter beim Urteilsspruch über einen Angeklagten zwei Täfelchen hatten, auf dessen eines sie A schrieben, welches der erste Buchstabe von lateinisch absolvo, ich spreche frei, ist, & während sie auf das andere das C schrieben, den ersten Buchstaben von lateinisch condemno, ich verurteile. Je nachdem, welcher dieser Buchstaben die Mehrheit hatte, wurde der Angeklagte freigesprochen oder verurteilt.  - (enc)

A (3)

Bevor du B sagst, verweile doch,
horch, bedenk,
was du gesagt hast. Ein Vokal,
der wenig bedeutet,
viel in Bewegung setzt.
Einmal den Mund aufgemacht,
und du treibst deine sterbliche Hülle
zu Leistungen an
von kosmischer Komplexität:
ganze Kaskaden von Reizen,
Berechnungen, Turbulenzen,
hinter dem Rücken dessen,
der Ich ist - vom Gehirn,
das nicht redet
und jeder Wissenschaft spottet,
zu schweigen.      

Anders als alle andern
hast du A gesagt.
Nicht zum erstenmal,
sondern millionenfach
hast du ihn hervorgebracht,
diesen Laut, lauthals, stotternd,
in allen Tonlagen, flüsternd,
gaumig, singend, gepreßt,
beim Onkel Doktor, erstaunt,
überwältigt, gramvoll -
nichtssagend, streng genommen,
und nicht ein einziges Mal hast du dich,
streng genommen,
dabei wiederholt.

Technik, mit dir verglichen,
ist Pfusch, Schrott, Gerumpel.
Du ahnst nicht einmal,
wie vollkommen du bist -
es sei denn bei Heiserkeit,
bei Schluckauf, bei Krebs.
Die Andacht des Anfangs
ist dir abhanden gekommen.
Ein Omega ist nicht in Sicht.

 - Hans Magnus Enzensberger, Kiosk. Neue Gedichte. Frankfurt am Main 1997 (zuerst 1995)

A (4)

Rätzel von dem Buchstaben A.

Hört her ihr Jungfern all/ und auch ihr Junggesellen/
Ihr solt ein Urtheil hier von einer Frage stellen/
Es ist ein artlich Ding/ bald schwartz/ bald blau/ bald roth/
Man findets im Metall/ macht lebend was sonst tod.
Es ist nicht in der Welt/ u. doch in jedem Lande/
In einer ieden Stad/ an einem ieden Strande/
Ein Mensch der hat es nicht/ und gleichwohl hats die Braut/
Recht in der Mitten/ wenn man sie nur wohl beschaut.
Ja/ wo ich mich besinn/ so hält sies in der mitten
So feste eingeschrenckt/ ihr werd sie müssen bitten/
Herr Bräutgam/ daß ihr seht; obs schwartz sey oder weiß/
Obs braune/ grüne/ blau/ doch roth behält den Preiß.
Seht euch nur wacker um/ ihr werdets bey ihr schauen/
Im Hembde und im Bett/ sie wird euch gerne trauen/
Wenn sie es auch noch hätt so feste eingeschrenckt/
So wird sies weisen doch/ nur euch nicht lang bedenckt.
Es ist das allererst/ und Anfang aller Künste/
Das offt den Knaben macht die Köpffe voller Dünste;
Wer solches hat erkant/ muß besser noch daran/
Wo er sonst werden will ein fein geschickter Mann.
Ein Mädgen hat es zwar/ doch wird es nicht betrachtet/
Denn es ist zu subtil/ drum man es wenig achtet/
Die Jungfern übertrifft ein grobe starcke Magd/
Bey der es sehen kan/ wer es nur kühnlich wagt.
Nur rathet alle her/ wer solches wird errathen/
Der soll die besten Stück bekommen von den Braten/
Die aut der Hochzeit sind: doch werdet dem nicht feind/
Ders euch zu rathen giebt/ es ist euer bester Freund.

- Aus (abc)

 

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